Kieferorthopädie
Was ist Kieferorthopädie?
Unter Kieferorthopädie versteht man die Verhütung, Erkennung und Behandlung
von Zahnfehlstellungen und Kieferfehllagen.
Seit wann gibt
es Kieferorthopädie?
Bereits 400 vor Christus beschäftigte sich Hippokrates mit den Fehlstellungen
der Zähne.
Was sind Kieferorthopäden?
Kieferorthopäden sind Zahnärzte, die sich nach dem Studium der Zahnmedizin
in einer vierjährigen Weiterbildungszeit auf diesem Gebiet spezialisiert haben.
Welche Fehlstellungen gibt es
und was kann man dagegen tun?
Falsche Kieferlage
Der Unterkiefer liegt zu weit vor, hinter oder seitlich versetzt zum
Oberkiefer. Die Ästhetik und die Kaufunktion sind oftmals beeinträchtigt. Ungünstige
Folgen könnten Sprachfehler, Beschwerden am Kiefergelenk oder vorzeitiger Zahnverlust
sein. Zur Korrektur muß der Unter- oder der Oberkiefer in seinem Wachstum entweder
gebremst oder gefördert werden.
Zahnengstände
Der Platz, alle Zähne ordentlich in Reih und Glied zu stellen, reicht
nicht aus. Die Folge sind gedrehte oder gekippte Zähne. Die Zahnreinigung ist
erschwert. Karies und Zahnfleischerkrankungen können entstehen. Wenn einem Zahn
überhaupt kein Platz zum Durchbrechen zur Verfügung steht, dann muß er sich
einen andern Weg suchen. Im günstigsten Fall tritt er an einer völlig anderen
Stelle durch. Im ungünstigeren Fall bleibt er im Knochen liegen und es kann
zu Komplikationen, wie der Bildung einer Zyste oder eines Abzesses kommen. Möglichkeiten
zur Platzbeschaffung sind je nach Schweregrad die Kieferdehnung oder das Ziehen
von Zähnen.
Offener Biß
Zwischen den oberen und den unteren Schneidezähnen
befindet sich ein Abstand, weshalb sie sich nicht berühren können. Das Abbeißen
ist nicht möglich. Die Entwicklung einer regelgerechten Sprache und Atmung sind
fraglich. Das Ziel ist die Annäherung der Schneidezähne.
Tiefbiß
Die oberen Schneidezähne überdecken die unteren
so stark, daß diese kaum zu sehen sind. Neben der Ästhetik ist auch die Funktion
gestört und es kann beim Einbiß in die Schleimhaut zu Zahnfleischerkrankungen
kommen. Die Schneidezähne sollten voneinander entfernt werden.
Welche Ursachen hat eine Fehlstellung?
Bei der Ursache einer Fehlstellung des Gebisses muß man die vererbten Störungen
von den erworbenen unterscheiden. Vererbte Fehlstellungen werden von den Eltern
auf die Kinder übertragen. Sie sind meist schwerer zu behandeln, da dem natürlichen
Wachstum therapeutisch entgegengewirkt werden muß. Erwerben kann der Patient
eine Anomalie durch Fehlfunktionen, wie beispielsweise das Daumenlutschen. Hier
ist das oberste Ziel die Ursache mit kleinen Hilfsmitteln zu beseitigen. Eine
weitere Ursache für eine erworbene Störung der Gebißentwicklung stellt der vorzeitige
Verlust von Milchzähnen dar. Es gilt, trotz dieser Situation eine natürliche
Entwicklung sicherzustellen.
Wie korrigiert der Kieferorthopäde
eine Fehlstellung?
Zur Korrektur von Fehlstellungen verwendet der Kieferorthopäde Spangen. Man
muß hierbei zwischen herausnehmbaren, festen und kombiniert fest-herausnehmbaren
Spangen unterscheiden.
Herausnehmbare Spangen wirken entweder einzeln im Ober- oder Unterkiefer oder zusammengesetzt in beiden gleichzeitig. Das zugrundeliegende Prinzip ist, daß man sich zur Korrektur der falschstehenden Zähne an den anderen abstützt. Sie sollen außer beim Essen, beim Zähneputzen und beim Sport immer getragen werden.
Festsitzende Spangen können vom Patienten nicht selbst aus dem Mund entfernt werden. Sie sind somit 24 Stunden am Tag aktiv. An jedem Zahn wird ein Halteelement befestigt. Alle Halteelemente sind verbunden durch einen Drahtbogen. So können die Zähne gerade aufgereiht werden, wie Perlen auf einer Schnur. Neben diesen Grundelementen gibt es noch eine Vielzahl weiterer, einsetzbarer fester Teile.
Kombiniert festsitzend-herausnehmbare Spangen bestehen aus einem Teil, das im Oberkiefer fixiert ist und einem abnehmbaren Teil, der am Oberkieferelement befestigt wird. Diese Spangen sind für jedermann als kieferorthopädisches Behandlungsgerät von außen erkennbar, weshalb sie oftmals auf Ablehnung stoßen. Und dennoch sind sie manchmal unentbehrlich. Die Mindesttragedauer beträgt 14 Stunden pro Tag.
Wie läuft eine kieferorthopädische
Behandlung ab und wie lange dauert sie?
Beim ersten Termin werden bei Behandlungsbedarf Abdrücke, Fotos und Röntgenbilder
gemacht. Anhand dieser Unterlagen wird ein persönlicher Behandlungsplan erstellt,
der bei der Krankenkasse zur Genehmigung eingereicht wird. Ist diese erfolgt,
kann die Behandlung beginnen. Eine kieferorthopädische Behandlung dauert in
der Regel mehrere Jahre. Verschiedene Spangen können dabei nacheinander zum
Einsatz kommen. Um den Behandlungsablauf an individuelle Veränderungen des Patienten
anpassen zu können, müssen vielfach während der laufenden Therapie aktuelle
diagnostische Unterlagen erstellt werden. Es gibt aber auch kürzere Behandlungen,
beispielsweise wenn bereits sehr früh ein Trend zur Fehlentwicklung erkennbar
ist. Bei sofortiger Behandlung kann dann das natürliche Wachstum ohne Beeinträchtigung
weitergehen.
Was kann der Patient für eine
möglichst effektive Behandlung tun?
Damit die Behandlung zielstrebig zum Erfolg
führen kann, ist es notwendig, daß
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Warum müssen Zähne stabilisiert
werden?
Wenn alle Zähne schön gerade stehen ist die Behandlung noch nicht am Ende.
Jetzt müssen die Zähne stabilisiert werden, damit sie nicht wieder in ihre falsche
Stellung zurückwandern können. Im allgemeinen erfolgt dies mit einer herausnehmbaren
Spange für ungefähr ein Jahr. Wenn dann die Behandlung erfolgreich beendet ist,
werden nochmals Unterlagen erstellt, um den Erfolg bei der Krankenkasse zu dokumentieren.
Bei schweren Anomalien oder einer Verstärkung des Problems im Laufe des Wachstums
kann auch einmal eine Operation notwendig sein. Eine Entscheidung darüber ist
erst nach Abschluß des Wachstums möglich, wenn alle anderen Möglichkeiten, positiv
ins Wachstum einzugreifen nicht mehr möglich sind.